Bordeaux statt Porto

May
15

Gericht entscheidet gegen Kundin

Wir lieben das Europa der Regionen. Dazu gehören auch die unterschiedlichen Dialekte innerhalb einer Sprache. Allerdings sollten wir versuchen, bei Rechtsgeschäften unseren Dialekt so weit zurück zu fahren, daß eine eindeutige Kommunikation möglich ist.

Was ist passiert? Eine Kundin mit sächsischem Dialekt möchte nach Porto fliegen. Auf Grund "akzentbedingter Kommunikationsschwierigkeiten" bucht die Mitarbeiterin im Reisebüro einen Flug nach Bordeaux. Offensichtlich war man sich während des Buchungsvorgangs immer einig.

Erst später bemerkte die Kundin den Fehler und weigerte sich, den Flugpreis zu bezahlen.

Das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstadt hält die Klage für begründet und spricht der klagenden Reiseveranstalterin die geforderte Reisepreiszahlung gem. §§ 675, 670 BGB durch die Beklagte zu. Das Gericht stellt klar, dass es zu Lasten der Beklagten gehe, dass die Klägerin das Reiseziel falsch verstanden habe. Zudem habe die sich Klägerin von der Beklagten während des Buchungsvorgangs mehrmals das vermeintliche Reiseziel „Bordeaux“ bestätigen lassen.

Vor der verbindlichen Buchung habe sie zweimal in korrekter hochdeutscher Sprache die Flugroute genannt, erklärte die Mitarbeiterin. Insofern sei ein wirksamer Vertrag mit dem Reiseziel Bordeaux zustande gekommen. Dieser Auffassung folgte das Gericht. Die Kundin musste den Reisepreis in Höhe von 294 Euro zahlen. 

 

Aktenzeichen: 12 C 3263/11

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